Redebeitrag zum “Genderwahn”

The english version of the speech we gave today will be added to our blog in the next days.

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Wir waren heute bei der Kundgebung “Beyond Pride – Mauer niederreißen” in Köln.

Es war ein schöner und empowernder Nachmittag an einmal Inhalte auf die Straße gebracht werden konnten, unter anderem durch Redebeiträgen von verschiedensten Gruppen & Einzelpersonen.

Wir freuen uns auf nächstes Jahr & hoffen, dass dann wieder eine Demo organisiert werden kann.

Hier findet ihr den Redebeitrag, den wir heute gehalten haben:

wir sind LilaLautstark, eine queerfeministische Gruppe aus Dortmund. Wir haben uns vor zwei Monaten gegründet mit der Zielsetzung Frauen*, Lesben*, Trans*, Inter* – kurz F.L.T.I.* Freiräume zu schaffen und richten monatlich eine Veranstaltung für diese Zielgruppe aus. Wir sind heute hier, weil wir eine Gleichstellung und Befreiung aller Geschlechter, auch jenseits der zweigeschlechtlichen heterosexuellen Norm, fordern. Auch der Mainstream-CSD schließt viele Menschen aus, vor allem die, die sich nicht zuordnen können oder wollen. Non binären und Inter*sexuellen Identitäten wird kein Raum gegeben. Von Trans*- und Inter*-Personen wird erwartet, dass sie sich ebenfalls einer der vorgegebenen Kategorien “trans*männlich” oder “trans*weiblich*” zuordnen. Unser Hauptthema soll hier jedoch nicht eine Kritik am Mainsstream CSD sein. Leider zeigt sich, dass wir statt einer Entwicklung hin zu einer Befreiung aller sexueller Identitäten viel mehr einen Rückschritt zu traditionellen Rollenbildern feststellen können. Dieser zeigt sich vor allem dadurch, dass konservativ rechte Gruppen und Parteien immer mehr Zuspruch bekommen.

Gruppierungen wie “Besorgte Eltern,” “Initiative Familienschutz” und die Partei “Alternative für Deutschland”, kurz AfD, sprechen von “Genderwahn” oder “Gendergaga” sobald Versuche unternommen werden, diese traditionellen Rollenbilder aufzubrechen.

Es werden so genannte “Demos für alle” veranstaltet, bei denen es darum geht die bürgerliche Kleinfamilie und Heterosexualität als unabweichliche Norm aufrecht zu erhalten und zu verteidigen. Inhaltlich werden unter anderem neue Bildungspläne und “sexuelle Früherziehung” kritisiert. Zum Beispiel mit den neuen Bildungsplänen in Stuttgart wird versucht Themen wie Trans*identität und Homo- oder Bi-Sexualität in den Schulalltag und Unterricht einzubringen. Jedoch sollen aus konservativer Sicht Alternative Beziehungs- und Familienkonzepte und andere sexuelle Orientierungen an der Schule keinen Platz haben. Es wird versucht diese totzuschweigen, damit sie gar nicht erst auftreten. Dem zugrunde liegt die Annahme, dass sexuelle Orientierungen anerzieh- und sozialisierbar sind und im Umkehrschluss auch durch Erziehung vermeidbar sind. Diese Unterdrückung der freien sexuellen Entfaltung von Jugendlichen führt in vielen Fällen zu psychischen Problemen oder Ausgrenzung. Die AfD fordert sogar eine Abschaffung aller Gender-Forschungsprojekte und die Auflösung aller Lehrstühle in diesem Bereich. Diese Forderungen finden teilweise Gehör, da in den Medien und in der öffentlichen Diskussion viele Praxis-Bereiche des Gender-Mainstreaming ins Lächerliche gezogen werden. Dabei wird der Diskurs meistens auf Ampelmännchen und All-Gender-Toiletten reduziert. Doch in dem Fall der All-Gender-Toiletetten wird – wie in vielen anderen Bereichen – verkannt, dass eine Ablehnung dieser Forderungen meist aus einer privilegierten Lage heraus entsteht, nämlich von Menschen die in die zweigeschlechtliche Norm passen. Dass der Gang zur Toilette für viele Trans* und non-binäre Menschen bedeutet, dass sie sich öffentlich einkategorisieren und dadurch auch mit Folgen wie transphober Gewalt rechnen müssen, wird dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Auch die Versuche alle Geschlechter in unsere Sprache miteinzubeziehen werden oft mit Kommentaren a lá Ich-haben-keinen-bock-so-rumzustottern abgetan und wenn Bezeichnungen für öffentliche Institutionen geändert werden sollen, wird statt über die positiven Aspekte zu reden nur betont wie teuer die Herstellung von vielen neue Schildern ist. Das war zum Beispiel oft der Fall als es um die Umbenennung von ehemaligen “Studentenwerken” in “Studierendenwerken” ging. Der Einfluss der Sprache auf unsere Wahrnehmung wird verkannt und auch hier kommt nicht selten Kritik aus einer priviligierten Position. Umso wichtiger ist es, dass alle sexuellen Identitäten und Orientierungen jenseits der gesetzten Normen sichtbar gemacht werden. Für Erwachsene und Kinder. Sei es in der Grundschule oder den Gender-Studies, die teilweise auf einem guten Weg sind, Geschlecht und damit verbundene Rollen aufzubrechen. Die Vorstellung von dem, was als “normal” gilt, muss aufgelöst werden. Dies bedeutet jedoch nicht Toleranz zu üben, sondern eine radikale Akzeptanz. In unserem Alltag heißt das, dass wir auch unsere eigenen verinnerlichten Stereotypen und Vorurteile kritisch hinterfragen.

Unser erklärtes Ziel ist Freiheit für ALLE Geschlechter.

Doch solange dies nicht erreicht ist, ist es notwendig Schutzräume zu schaffen und einen Dikurs anzustoßen. Wir haben gemein, dass wir fühlende und denkende Individuen sind, die das Recht auf ein schönes Leben, frei von Diskriminierung haben! Wenn ihr euch für unsere Arbeit interessiert, seid ihr gerne dazu eingeladen zu unserem Workshop zu Sexismen im Alltag und dem vorabendlichen Zocken am 16. und 17. Juli, im Black Pigeon zu kommen. Oder besucht uns jetzt gleich an unserem Info und Büchertisch. Danke